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BioSkop – Forum zur Beobachtung 
der Biowissenschaften und ihrer Technologien

Selbstdarstellung

Die Biowissenschaften und ihre Technologien sind nicht allein Mittel der Naturbeobachtung, sondern Werkzeug der Naturproduktion. Im wissenschaftlichen Blick nimmt sich die Gesamtheit des Lebendigen aus wie ein ungeheur großes Stück Stoff, aus dem beliebig herausgeschneidert und »effizient« wieder zusammengebaut werden kann.

Die biowissenschaftlichen Visionen lauten: mehr Lebenzeit durch wiederverwendbare Organe, Gewebe und Embryonen; »gesündere« Kinder durch vorgeburtliche Kontrollen oder aus der Petrischale; »nützlichere« Tiere, Pflanzen, Bakterien durch herauspräparierte Gene; »Überleben« durch Arzneien, die von genetisch veränderten Lebewesen geliefert werden.

Landwirte und besonders Klein-Bauern in südlichen Kontinenten sind Verlierer im Gebiet der wissenschaftlichen Möglichkeiten und neu entstandenen Märkte. Ihr Erfahrungswissen im Umgang mit alten Kulturpflanzen und Tieren wird von multinationalen Saatgut- und Pharmakonzernen kapitalisiert. Zahlreiche Patentämter in den Industriestaaten verwandeln ihre Pflanzen in ausbeutbare »Gen-Ressourcen«.

Neue Märkte werden erschlossen. Nichts und niemand soll außerhalb der Sphäre von Produktion und Machbarkeit existieren. Patentierbare Verfahren, lizenzpflichtige Gene, zirkulationsfähige Körperteile, Angebot und Nachfrage, schließlich neu zusammengesetzte Körper bestimmen das Bild eines biowissenschaftlichen Marktes, dessen Rohstoff das Lebendige selbst ist. So wird der Herstellung von Waren die Anhäufung von Lebenszeit und mitgelieferter »Qualitätssteigerung« zur Seite gestellt. Die leichte Verderblichkeit, die Flüchtigkeit der individuellen Existenz soll vergessen werden. Kein Zufall, kein Geworden- und Geworfensein, kein Anderssein soll uns mehr überraschen. Das Gemachte ist dem Gewordenen prinzipiell überlegen, lautet die Grundannahme in Technologie und Wissenschaft.

Moderne »Lebenswissenschaften« – die Biologie im Verbund mit der Medizin – haben den neuen Einheitswert »Leben« geschaffen. Das alte Wort wurde ein neuer Begriff, auf den sich Fachmänner berufen, um den individuellen Leib, die »Bevölkerung« und im Globalmaßstab den »Gattungskörper« für bearbeitbar zu erklären. Endlich sollen sich auch die Träume der Genetiker des 19. Jahrhunderts erfüllen. »Es wird eine Art Eugenik sein, gewiß, aber eine Eugenik, die bewahren will, nicht eliminieren, eine humanitäre, nicht eine totalitäre Eugenik«, lautet das Motto der Genomforscher (in diesem Fall des französischen Wissenschaftlers Daniel Cohen).

Die Normalisierung gegenwärtiger Gesundheits- , Sozial- und Behindertenpolitik zeigt an, daß die Kehrseite dieser Utopie ein Gesellschaftsentwurf ist, der nicht auf gegenseitiger Hilfe, sondern auf Vermeidung, Verhinderung und einem Verlassen all jener basiert, die nicht der Utopie von Gesundheit und Normalität entsprechen. Der internationale Trend in Diskussion und Gesetzgebung reicht mittlerweile bis zum institutionell abgesicherten Mord, der sog. Euthanasie bei alten, schwerstbehinderten, hoffnungslos kranken und komatösen Patienten und Patientinnen.

Bioethik heißt der vergleichsweise neue Berufsstand, der eine begriffliche Währung und institutionelle Struktur, Gesetz, Konvention und Kommissionen dafür bereitstellt. Nur die Reflexion über die »Biologie« scheint noch Berechtigung zu haben. Nur den Erfordernissen von Wissenschaft und Technik dienliche Politik, Rechtsprechung, Philosophie und Religionen scheint noch gehört zu werden. Allein Experten sprechen, planen und handeln, obwohl hier doch vor allem der Umbau des gesellschaftlichen Zusammenlebens und Arbeitens debattiert wird – und fachgerechte Tötungsvorhaben plausibel gemacht werden sollen.

BioSkop ist eine Assoziation von Individuen, die an ihren sozialen und beruflichen Aufenhaltsorten – im Journalismus, in Initativen, in Wissenschaft, Kirche oder Nachbarschaft, in Frauenkreisen und Behindertengruppen, an der Küste, im Münsterland, Ruhrgebiet und Rheinland, in den Niederlanden, im Rhein-Main und Rhein-Neckar-Gebiet und anderswo gegen die Machtwirkungen moderner Biowissenschaften denken und handeln wollen.


Maulwurf Maulwurf Maulwurf

 In Alltag und Gemeinwesen sind die Biowissenschaften
 »zu einer totalen sozialen Tatsache« geworden,
 die »ihre Wahrheiten den Ethiken,
 den Rechtsnormen, der Politik,
 den Religionen, den Philosophien aufzwingen«.
 (Michel Serres)


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