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Auf unserer Intensivstation begannen die Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen und der Versorgung der PatientInnen vor fünf Jahren. Bis 1994 waren noch 21 Vollkräfte für maximal 7 PatientInnen zuständig gewesen. Seit 1994 ist unsere Station für zehn PatientInnen ausgerichtet, wobei drei Plätze für Kranke reserviert sind, die beatmet werden müssen. Zwar wurde das Personal auf 23 Stellen aufgestockt, aber im Durchschnitt kommen seitdem nur noch 2,3 statt 3 Pflegekräfte auf einen Patienten. Außerdem müssen wir seitdem Tätigkeiten übernehmen, die eigentlich nicht zu unseren Aufgaben gehören, zum Beispiel sämtliche EKG’s unserer PatientInnen schreiben, was vorher die EKG-Abteilung erledigt hatte: Begründung Kosten sparen.
1997 wurde unsere Klinik umstrukturiert. Eine Station wurde geschlossen, seitdem stehen fast täglich drei bis vier PatientInnen in Betten auf den Fluren anderer Stationen herum. So wird ihnen der letzte Rest Privatsphäre genommen. Obendrein blockieren sie Betten, die für Notfälle gebraucht werden. Gleichzeitig wurden neue Abteilungen eingerichtet, und wir bekamen noch mehr Aufgaben, zum Teil solche, die eigentlich ÄrztInnen übernehmen müßten. So müssen wir alle Blutabnahmen vornehmen. Nur bei falschen Laborwerten kontrollieren MedizinerInnen selbst nach. Wir müssen auch sämtliche intravenösen Medikamente spritzen, mit Ausnahme von Herzrhythmusmitteln. Bei BeatmungspatientInnen müssen wir allein - ohne Absprache, aber mit Duldung der ArztInnen - entscheiden, ob sie ruhiggestellt oder die Maschinen anders eingestellt werden. Dabei sind wir gar nicht dafür ausgebildet, Blutgas-Analysen, Lungenfunktion oder Röntgenbilder auszuwerten. Solche zusätzlichen Aufgaben überfordern vor allem neue KollegInnen. Geldmangel soll auch der Grund dafür sein, daß eine Vollkraft unserer Intensivstation gleichzeitig für den Dienst in der Ambulanz zuständig ist. Die Beschäftigung dort dauert in den meisten Fällen etwa eine halbe Stunde. Manchmal auch länger, und das kann gefährlich werden. So mußte ein Kollege, der einen beatmeten Patienten betreute, in die Ambulanz. Während er dort fast zwei Stunden zu tun hatte, zog sich sein Patient auf der Intensivstation den Beatmungsschlauch weg. Das bemerkte eine Kollegin noch rechtzeitig, so daß er gerettet werden konnte. Nachts, wenn wir zu dritt sind, ist es sogar vorgekommen, daß eine Pflegekraft in der Ambulanz sein mußte - und wir zu zweit zehn PatientInnen betreuen mußten, davon drei beatmete. Gleichzeitig verlangte ein Arzt, eine Pflegekraft unserer Intensivstation solle sofort auf seine Station kommen, um für ihn ein EKG zu schreiben. Dies lehnten wir ab, da eine einzige Pflegekraft nicht mit zehn PatientInnen allein sein kann. Daraufhin schickte der Arzt einen Kollegen, vor dem wir uns erneut rechtfertigen mußten. Dabei werden wir nachts regulär mit den PatientInnen allein gelassen; und allein sind wir auch mittags, wenn die ÄrztInnen wegen Dienstbesprechung und Pause etwa eine Stunde fehlen. In Notfällen, die auf einer Intensivstation zum Alltag gehören, müssen die MedizinerInnen dann erst angepiept werden. Bis sie am Bett sind, verstreichen mindestens fünf bis zehn Minuten. Mehrmals passierte es, daß PatientInnen einen plötzlichen Herzstillstand hatten oder Herzrhythmusstörungen auftraten. In solchen Situationen mußten wir in Abwesenheit des Arztes entscheiden und handeln. Wir sind ständig überarbeitet. Bis April haben wir 1.200 Überstunden angesammelt. Ich finde es fahrlässig, daß sich die Klinik nicht mehr Personal leistet. Eigentlich müßte ständig ein Mediziner auf unserer Station sein. Falls etwas schief geht, werden wir zur Verantwortung gezogen - und nicht Politiker oder Krankenhausmanager.© BIOSKOP, 1999
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